Villa Rustica

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für das Neubaugebiet „Idarblick“ hat die Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) auf eine frühgeschichtliche Fundstelle im Planungsgebiet hingewiesen. Mit Hilfe einer geophysikalischen Prospektion wurden Art und Umfang der vorhandenen archäologischen Befunde festgestellt. Von September bis Dezember 2021 wurden von der Landesarchäologie die entsprechenden Stellen großflächig freigelegt.

Die Grabung bestätigt, dass es schon weit vor der bekannten Gründung der Gemeinde vor 930 Jahren Siedlungen in unserer Gemarkung gegeben hat. Es handelt sich um einen römischen Gutshof aus dem 2. Jahrhundert nach Christus – eine sogenannte Villa Rustica. In den germanischen Provinzen des römischen Reiches wurden diese Gutshöfe häufig in einem typischen Baustil errichtet. Die Front des Hauptgebäudes gliederte sich in zwei Eckrisaliten und einem dazwischenliegenden Portikus - einer nach vorne offenen Säulenhalle.

 

Der Hof in Kappel besteht aus einem Hauptgebäude mit einer Seitenlänge von 20 mal 25 Metern und mindestens 2 Nebengebäuden sowie einer Umfassungsmauer. Die Gebäude selbst sind nicht mehr vorhanden.  Mauerausbruchsgräben, Fundamente und 2 gut erhaltene Kellerräume zeigen jedoch die Bauweise und die räumliche Ausdehnung des Gutes.

Das Hauptgebäude wurde in mehreren Umbauphasen den jeweiligen Erfordernissen der Hausherren angepasst. Von den beiden Vorratskellern wurde einer während der Nutzungszeit des Gebäudes zunächst verkleinert, dann wieder verfüllt und überbaut. Bei dem anderen Keller konnte noch eine Treppe sowie ein Lichtschacht freigelegt werden. Die Kellersohlen befanden sich etwa 2,1 m unter der heuten Geländeoberfläche. Darüber hinaus wurden noch mehrere Feuerstellen gefunden. Die Nutzung der Nebengebäude ist aufgrund der schlechten Erhaltung nicht eindeutig ermittelbar.

Der Hof wurde wohl im 4. Jahrhundert wieder aufgegeben, was auch die geringe Zahl der Funde an Keramik, Münzen usw. erklärt. Der endgültige Abriss und Ausbruch der Mauern erfolgte vermutlich im Zusammenhang mit dem Bau der Kirchen in Kappel.

Im Hunsrück war in der römischen Zeit eine vergleichsweise dichte Besiedlung mit Villen vorhanden (in der Regel mehrere in jeder heutigen Gemarkung). Bei diesen handelt es sich um landwirtschaftliche Betriebe, dabei ist die Größe und Ausstattung der Gebäude deutlich geringer als z.B. in den repräsentativen Anlagen an der Mosel.

Entlang der wichtigsten Straßen existierten dorfartige Siedlungen (Vici), so z.B. in Dumnissus/Kirchberg, Belginum/Wederath oder Mittelstrimmig, die zur Versorgung von Reisenden, aber auch als Marktorte oder religiöse Zentren dienten. Die römerzeitliche Besiedlung im Hunsrück hat sich im Wesentlichen aus der keltischen heraus entwickelt, insofern wird es sich bei den Bewohnern der Villa Rustica von Kappel wahrscheinlich um romanisierte Kelten und weniger um wirkliche „Römer“ gehandelt haben. Das römische Bürgerrecht können sie aber durchaus bzw. ab 212 n. Chr. auf jeden Fall besessen haben.

 

Am 06. Dezember 2021 stand ein gut recherchierter Artikel von Herrn Werner Dupuis unter dem Titel "Spuren der Römer in Kappel ausgegraben" in der Rhein-Hunsrück-Zeitung.
Er erschien auf Seite 17 der Hunsrück-Ausgabe.

Mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung dürfen wir diesen Artikel veröffentlichen. 

 

Bilder von der Ausgrabungsstätte